Arbeitsrecht | Glossar | Warum wir? | Kontakt | Impressum  
 
13.10.2013
Schmerzensgeld von Arbeitskollege
Nach der Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts ist das Herumwerfen von Wuchtgewichten in einem Kfz-Betrieb dem persönlich-privaten Bereich zuzuordnen, für den ein Arbeitnehmer in vollem Umfang haftet.
Am 24. Februar 2011 war der Beklagte des vorliegenden Rechtsstreits in seinem Ausbildungsbetrieb, einer Kfz-Werkstatt in Bad Homburg, mit dem Auswuchten von Autoreifen beschäftigt. Der zum damaligen Zeitpunkt 18-jährige Kläger, ebenfalls Auszubildender, stand etwa 10 m weiter weg. Der beklagte Auszubildende warf ohne Vorwarnung ein etwa 10 g schweres Wuchtgewicht aus Aluminium in Richtung des Klägers und traf ihn am linken Auge, am Augenlid und an der linken Schläfe. Der klagende Auszubildende trug eine Hornhautverletzung und eine Oberlidrandverletzung davon. Er wurde mehrfach operiert. Ihm wurde eine künstliche Augenlinse eingesetzt. Wegen der verbliebenen Hornhautnarbe leidet der Kläger an einer dauerhaften Sehverschlechterung und dem Verlust des räumlichen Sehvermögens.

Der Kläger hat den beklagten Auszubildenden deshalb auf Schmerzensgeld und die Feststellung in Anspruch genommen, dass dieser auch zukünftig jeden Schaden aus dem schädigenden Ereignis ersetzen muss.

Das Arbeitsgericht und ihm folgend das Hessische Landesarbeitsgericht haben der Klage insoweit stattgegeben und den beklagten Auszubildenden zu einem Schmerzensgeld von 25.000 € verurteilt.
Nach der Überzeugung des Hessischen Landesarbeitsgerichts hat der beklagte Auszubildenden seinen Kollegen fahrlässig an dessen Gesundheit geschädigt. Der beklagte Auszubildende hätte wissen können und müssen, dass ein kraftvoller Wurf mit einem Wuchtgewicht eine solche Verletzung hervorrufen kann. Der Beklagte sei auch nicht von seiner Haftung befreit gewesen, weil es sich bei dem Wurf gerade nicht um eine betriebliche Tätigkeit im Rechtssinne gehandelt habe, bei der für Personenschäden nur für Vorsatz, nicht aber für Fahrlässigkeit gehaftet wird. Das Herumwerfen von Wuchtgewichten in einem Kfz-Betrieb sei vielmehr dem persönlich-privaten Bereich zuzuordnen, für den ein Arbeitnehmer in vollem Umfang hafte.
Bei der Höhe des Schmerzensgeldes ließ sich das Hessische Landesarbeitsgericht insbesondere von den erlittenen Schmerzen, der dauerhaften Beeinträchtigung der Lebensführung des klagenden Auszibildenden leiten und dem Risiko weiterer Verschlechterungen des Augenlichts.
Abgewiesen hat das das Landesarbeitsgericht das Begehren des Klägers auf eine zusätzliche monatliche Schmerzensgeldrente. Deren Voraussetzungen seien im vorliegenden Fall nicht gegeben.
Aktenzeichen: 13 Sa 269/13
Quelle: Hessisches Landesarbeitsgericht - PM 9/13 vom 30.09.2013
Quelldatum: 20.08.2013
Quelllink: http://www.lag-frankfurt.justiz.hessen.de

zurück