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26.01.2014
Navigationsgerät führt LKW-Fahrer auf vereisten Waldweg - hoher Schaden und fristlose Kündigung
Das Landesarbeitsgericht Hamm verhandelt einen Rechtsstreit, dem folgender Sachverhalt zugrunde liegt:
Der 52jährige Kläger, der seit 2 Jahren bei der beklagten Arbeitgeberin in Bochum als LKW-Fahrer beschäftigt war, transportierte am 04.03.2013 Kunststoffe zu verschiedenen Empfängern im Sauerland. Der LKW, den er fuhr, hatte ein zulässiges Höchstgewicht von 15 t. Auf dem Weg von Lennestadt nach Kirchhundem befuhr der klagende Arbeitnehmer einen Waldweg, dessen Benutzung für LKW über 3,5 t verboten ist. Am Beginn des Weges stand ein entsprechendes Verkehrszeichen, das der klagende Arbeitnehmer jedoch nicht beachtete. Auf einer vereisten Steigung rutschte der LKW zunächst von der Straße und später die Böschung hinunter.
Die beklagte Arbeitgeberin nahm das zum Anlass, eine fristlose, hilfsweise fristgerechte Kündigung auszusprechen. Die Beklagte hat vorgetragen, der klagende Fahrer habe grob fahrlässig gehandelt, denn auf der Zufahrt zum Waldweg habe sich auch der Hinweis befunden "Kein Winterdienst - Benutzung auf eigene Gefahr". Über die Bergungskosten von ca 7.000 Euro hinaus sei ein Schaden am Fahrzeug in Höhe von über 18.000 Euro entstanden. Der LKW sei mit dem Namen eines Kunden beschriftet gewesen, der um seine Reputation gefürchtet habe.

Der klagende Arbeitnehmer meint, er habe nicht grob fahrlässig gehandelt. Er sei den Anweisungen seines Navigationsgerätes gefolgt und habe keine Veranlassung gehabt, mit Schnee und Eis auf der Straße zu rechnen, da der Waldweg zu Beginn trocken und eisfrei gewesen sei. Nach dem Anhalten habe er die beklagte Arbeitgeberin sogleich informiert, der Disponent habe jedoch entschieden, zunächst die günstigste Abschleppvariante zu wählen und einen Traktor zu beauftragen. Dieser habe so lange auf sich warten lassen, dass das Fahrzeug schließlich ganz abgerutscht sei.

Das Arbeitsgericht Bochum hat der Klage stattgegeben. Sowohl die fristlose als auch die fristgerechte Kündigung sei unwirksam, da es der erforderlichen Abmahnung fehle.
Aktenzeichen: 10 Sa 1098/13
Quelle: Landesarbeitsgericht Hamm - PM vom 21.01.2014
Quelldatum: 24.01.2014
Quelllink: http://www.lag-hamm.nrw.de/

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