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13.04.2014
Streit um sittenwidrige Vergütung und fristlose Kündigung wegen Facebook-Einträgen: Ehemaliger Co-Trainer klagt gegen den KFC Uerdingen
Das Arbeitsgericht Krefeld verhandelt derzeit über insgesamt 11 Klageanträgen über die fristlose, hilfsweise fristgerechte Kündigung des Arbeitsverhältnisses des ehemaligen Co-Trainers der 1. Fußballmannschaft des KFC Uerdingen verhandelt wird, ferner (im Falle der Unwirksamkeit der Kündigung) über die Frage der wirksamen Befristung seines Arbeitsverhältnisses zum 30.06.2014, über die Rechtmäßigkeit von Arbeitsanweisungen sowie über einen Zahlungsanspruch in Höhe von mehr als 25.000,- € wegen des Vorwurfs sittenwidriger Vergütung.
Der Kläger war von Juli 2009 bis Oktober 2012 als Vertragsspieler und seit 1.11.2012 als Co-Trainer der 1 Fußballmannschaft, Cheftrainer der U19 – Mannschaft sowie als Geschäftsstellenleiter bei dem beklagten Verein beschäftigt. Laut Arbeitsvertrag war eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden bei einer Vergütung in Höhe von 800,- € brutto monatlich zuzüglich einer Jugendarbeitsvergütung von 175,- € netto und eines Fahrtkostenzuschusses vereinbart. Das Arbeitsverhältnis war zunächst befristet bis 30.06.2013 und verlängerte sich dann aufgrund des Aufstiegs in die Regionalliga um eine weitere Saison bis 30.06.2014.
Mit Schreiben vom 01.11.2013 wurden dem Kläger wegen „Verfehlungen“ Arbeitsanweisungen erteilt und seine Beurlaubung von den Aufgaben als Co-Trainer der 1. Mannschaft und als Geschäftsstellenleiter bestätigt. Mit weiterem Schreiben vom 27.12.2013 kündigte der Verein das Arbeitsverhältnis fristlos und hilfsweise fristgerecht.

Hiergegen hat der Kläger Kündigungsschutzklage erhoben und macht die Unwirksamkeit der Kündigung geltend. Verfehlungen seien ihm nicht anzulasten. Ehrenrührige Äußerungen oder falsche Anschuldigungen gegenüber dem beklagten Verein streitet er ab und rügt den Vortrag des Beklagten als substanzlos. Darüber hinaus hält er die Beurlaubung für unwirksam, wendet sich auch gegen die Befristung seines Vertragsverhältnisses und macht die Weiterbeschäftigung als Co-Trainer der 1. Mannschaft, Cheftrainer der U19 - Mannschaft und Geschäftsstellenleiter geltend. Die vertraglich vereinbarte Vergütung hält er für sittenwidrig, da sich bei einer 40-Stunden-Woche lediglich ein Stundensatz von 4,62 € brutto ergebe. Tatsächlich habe er sogar deutlich mehr als 40 Wochenstunden gearbeitet. Bei einem angemessenen Stundenlohn von zumindest 15,- € ergebe sich eine Vergütungsnachforderung von mehr als 25.000,- € brutto, die er ebenfalls klageweise geltend macht.

Der beklagte Verein ist der Ansicht, die Vergütung sei rechtmäßig zwischen den Parteien vereinbart worden und verweist zunächst auf die Besonderheiten der Tätigkeit und des Arbeitsverhältnisses des Klägers als ehemaliger Spieler und nunmehr Trainer der Fußballmannschaft. Zudem bestreitet er, dass der Kläger jeweils für 40 Wochenstunden Arbeitsleistungen erbracht habe und behauptet, dies sei lediglich im Umfang von regelmäßig nicht mehr als 25 Wochenstunden der Fall gewesen. Die Suspendierung als Co-Trainer der 1. Mannschaft und Geschäftsstellenleiter sei einvernehmlich im September 2013 erfolgt, nachdem es zuvor wiederholt zu Irritationen über das Verhalten des Klägers gekommen sei, der die Kommunikation mit dem Trainer der 1. Mannschaft nahezu vollständig eingestellt und Trainingszeiten eigenmächtig verändert habe. Deshalb sei er mit der Arbeitsanweisung vom 01.11.2013 noch einmal ausdrücklich auf die „Meldewege“ bei dem beklagten Verein hingewiesen worden. Der Kläger habe in der Folgezeit den Weg in die Öffentlichkeit, insbesondere zu Fans des Vereins gesucht, um dort auf – aus seiner Sicht – Missmanagement im Vorstand hinzuweisen. Er habe den Vorstandsvorsitzenden beschuldigt, dass dieser „in die Kasse“ greife. Hierfür sei er von dem Vorstandsvorsitzenden mündlich abgemahnt worden. Die fristlose Kündigung sei erfolgt, nachdem der Kläger sich im Dezember 2013 auf Facebook erneut abschätzig und negativ über den Verein und dessen Verantwortliche geäußert habe. Sollte die Kündigung unwirksam sein, ende das Arbeitsverhältnis jedenfalls aufgrund der – bei Arbeitsverhältnissen dieser Art üblichen – Befristung zum Saisonende am 30.06.2014.
Aktenzeichen: 3 Ca 2544/13
Quelle: Arbeitsgericht Krefeld - PM 17/14 vom 08.04.2014
Quelldatum: 09.04.2014
Quelllink: http://www.arbg-krefeld.nrw.de/

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