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Mobbing

Unter diesem Begriff versteht man die bewusste Ausgrenzung und Herabsetzung eines Arbeitnehmers durch dessen Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Arbeitgeber. In Deutschland schätzt man die momentane Zahl (Stand Juni 2006) der Mobbingbetroffenen auf über 1.000.000 Erwerbstätige (2,7%). Dabei lösen insbesondere strukturelle Faktoren Mobbing aus. Äußerst schlechte Arbeitsorganisation und Produktionsmethoden wie etwa unklare Zuständigkeiten, Monotonie, Stress, allgemeine Mängel in der Kommunikations- und Informationsstruktur, ungerechte Arbeitsverteilung, Über- und Unterforderung, widersprüchliche Anweisungen, mangelnder Handlungsspielraum oder Kooperationszwänge, gelten als Ursachen für Mobbing. Faktoren wie etwa das Verhalten des Unternehmensmanagements frei nach dem Motto „Wasser predigen und Wein trinken“, Konkurrenz unter den Mitarbeitern oder eine Organisationskultur, die keine hemmenden Mechanismen gegen Mobbing hat, können die Mobbingbereitschaft verstärken. Tiefgreifende organisatorische Veränderungen gelten ebenfalls als Auslöser für Mobbing.

Mobbing am Arbeitsplatz ist noch kein Straftatbestand. Einzelne Mobbinghandlungen sind jedoch strafbar. Obwohl der Beweis hinsichtlich einzelner Mobbinghandlungen problematisch sein mag, können und sollten Sie diese zur Anzeige bringen.

Arbeitgeber stehen in der Pflicht, ihre Arbeitnehmer vor psychischer Belastung zu bewahren, vgl. auch -> Fürsorgepflicht. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das Persönlichkeitsrecht, die Gesundheit und die Ehre des Arbeitnehmers zu schützen. Anders als im europäischen Ausland gibt es in Deutschland zwar kein spezielles Mobbing-Schutzgesetz, aber aus den vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen, wie dem Arbeitsschutzgesetz, ergeben sich einige Schutz- und Handlungsmöglichkeiten. In den letzten Jahren wurden durch mehrere Gerichtsurteile grundsätzlich die Rechte der gemobbten Arbeitnehmer gestärkt und die Pflichten der Arbeitgeber erhöht. Insbesondere kann der Arbeitgeber nicht nur dann in Anspruch genommen werden, wenn er selbst den Eingriff begeht oder steuert, sondern auch dann, wenn er es unterlässt, Maßnahmen zu ergreifen oder seinen Betrieb so zu organisieren, dass eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts ausgeschlossen wird.

Mobbing kann zur -> außerordentlichen Kündigung des Mobbers führen. Bedenken Sie jedoch, dass Zeugen aus Angst, selbst Opfer von Mobbing zu werden, oft nicht bereit sind, vor Gericht auszusagen. Dies wird insbesondere dann der Fall sein, wenn diese in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Mobber stehen.

Rechtlich relevante einzelne Handlungen sind ungerechtfertigte Kündigungen, ungerechtfertigte -> Versetzungen, ungerechtfertigte -> Abmahnungen, Tätlichkeiten, sexuelle Belästigungen, üble Nachreden, Beleidigungen usw. Die Effizienz des Rechtsschutzes ist bei diesen Handlungen unterschiedlich ausgeprägt. Während die erfolgreiche Verteidigung gegen eine unberechtigte -> Kündigung, Versetzung, Abmahnung recht hoch ist, ist sie bei sexueller Belästigung, übler Nachrede und Beleidigung eher mühselig und praktisch schwer durchsetzbar. In diesen Fällen ist jedoch zu beachten, dass eine bloße Strafanzeige nicht ausreicht. Sie müssen einen Strafantrag innerhalb von 3 Monaten stellen. Der Staatsanwalt prüft dann, ob ein sog. öffentliches Interesse zur Verfolgung besteht und verweist ggf. auf den wenig aussichtsreichen Privatklageweg. Fraglich ist, ob ein als Mobbing erlebtes Verhalten strafrechtliche Relevanz hat. Ihre soziale Ausgrenzung kann bspw. dann als strafbar betrachtet werden, wenn das Verhalten der Täter über das sozial vertretbare Maß hinausgeht, wie z. B. demonstratives Verlassen des Raumes oder demonstratives Ignorieren. Gegen Ihren Arbeitgeber besteht Ihrerseits auch ein Anspruch auf Schadensersatz, insbesondere bei Verletzung des -> Arbeitsvertrages.

Siehe auch:
Fürsorgepflicht
außerordentliche Kündigung
Abmahnung
Kündigung
Arbeitsvertrag
Versetzung