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Probearbeitsverhältnis

In der Regel wird Ihr neuer Arbeitgeber auf die Vereinbarung einer -> Probezeit bestehen. Diese darf per Gesetz längstens 6 Monate andauern. Bei Ausbildungsverhältnissen gilt eine Probezeit von mind. 1 Monat bis max. 4 Monaten; vgl. -> Ausbildung. Gelegentlich bestehen auch tarifvertragliche Regelungen, die vorrangig oder ergänzend zu beachten sind. In der Praxis beschränken -> Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen häufig die Probezeit von Arbeitern auf einen Monat, die Probezeit von Angestellten auf 3 Monate. Die Einstellung eines Arbeitnehmers auf Probe unterliegt der -> Mitbestimmung des -> Betriebsrats. Im Zweifel können Sie bei der Vereinbarung einer Probezeit grundsätzlich von einem unbefristeten Arbeitsverhältnis (s. auch -> Befristung) ausgehen.

Das Probearbeitsverhältnis kann als

- unbefristetes Arbeitsverhältnis ausgestaltet sein, das nach Ablauf der Probezeit in ein normales Arbeitsverhältnis übergeht, wenn es nicht zuvor gekündigt wird, oder

- als befristetes Arbeitsverhältnis begründet werden, das nach Ablauf der Probezeit automatisch endet, falls nicht ein neuer Arbeitsvertrag abgeschlossen wird.

Nach dem Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfG) bedarf es zum Abschluss eines befristeten Arbeitsvertrages grundsätzlich eines sachlichen Grundes (vgl. auch -> Befristung). Einer der im Gesetz genannten Gründe ist die Einstellung zur Erprobung. Allerdings lassen die Normen auch als Ausnahme eine sachgrundlose Befristung für eine Maximaldauer von 2 Jahren zu. An eine Befristung mit Sachgrund darf sich allerdings keine sachgrundlose Befristung anschließen.

 

Endet Ihr Arbeitsvertrag nach der Probezeit automatisch?

Innerhalb der ersten 6 Monate beträgt die -> Kündigungsfrist für Sie und Ihren Arbeitgeber 2 Wochen. Sie können beide an jedem Tag des Monats kündigen. Abweichendes kann sich aus dem für Sie gültigen -> Tarifvertrag ergeben. Für die fristlose Kündigung aus wichtigem Grunde (-> außerordentliche Kündigung) gelten die allgemeinen Grundsätze. Bei einem befristeten Probearbeitsverhältnis ist eine -> ordentliche Kündigung ausgeschlossen, es sei denn es ist explizit im Arbeitsvertrag vereinbart.

Wurde das Probearbeitsverhältnis nicht gekündigt, so endet die Probezeit durch schlichten Zeitablauf. Eine gesonderte schriftliche Mitteilung durch den Arbeitgeber ist nicht erforderlich. Nach Ablauf der Probezeit kann Ihr Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis auch dann durch Kündigung innerhalb der gesetzlichen und arbeitsvertraglichen Grenzen beenden, wenn Sie sich in der Probezeit bewährt haben.

 

Haben Sie Anspruch auf -> Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder auf -> Urlaub?

Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit haben Sie erst nach 4-wöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses. Auch der Urlaubsanspruch ist an Wartezeiten gebunden. Der volle Anspruch wird erst nach 6 Monaten erworben. Scheiden Sie früher, d.h. vor Ablauf der 6 Monate aus, können Sie anteiligen Urlaub verlangen.

 

Wann ist die Vereinbarung eines Probearbeitsverhältnisses unzulässig?

Unzulässig ist die Vereinbarung eines Probearbeitsverhältnisses dann, wenn Sie zuvor bei demselben Unternehmen im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses beschäftigt wurde. Eine andere Beurteilung ist möglich, wenn Ihre neue Tätigkeit ein geändertes Aufgabenfeld beinhaltet. Holen Sie sich hier den Rat Ihres Anwalts ein!

Siehe auch:
Ausbildung
Mitbestimmungsrecht
Betriebsrat
Befristung
Kündigungsfrist
außerordentliche Kündigung
ordentliche Kündigung
Lohnfortzahlung
Probezeit
Tarifvertrag
Urlaub