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Sonderurlaub

Wann haben Sie als Arbeitnehmer Anspruch auf Sonderurlaub?

Bei kurzfristiger persönlicher Verhinderung sind Sie unter Vergütungsfortzahlung von der Arbeit freizustellen. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Sie also Anspruch auf Sonderurlaub. Beispielsweise sind Familienereignisse wie die eigene Eheschließung, die Geburt des eigenen Kindes oder der Tod eines im Haushalt lebenden Angehörigen klassische Gründe für Sonderurlaub. Ein Arztbesuch muss hingegen für Ihren Arbeitgeber nicht immer ein Anlass sein, (bezahlten) Sonderurlaub zu gewähren.

 

Unter welchen Voraussetzungen gewährt Ihr Arbeitgeber Sonderurlaub?

Ihr Arbeitgeber muss Ihnen Sonderurlaub gewähren, Sie also unter Fortzahlung der Vergütung (s. -> Vergütungsfortzahlung) von der Arbeit freistellen (s. -> Freistellung), wenn Sie

- für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit

- durch einen in Ihrer Person liegenden Grund

- ohne Ihr Verschulden

- Ihre Arbeitsleistung nicht erbringen können.

Anwendungsfälle hierfür sind neben Familienereignissen auch die folgenden Fälle, die immer wieder zu Auseinandersetzungen führen:

Arztbesuch

Ein Arztbesuch ist während Ihrer Arbeitszeit normalerweise nur dann notwendig, wenn bei Ihnen eine akute Erkrankung auftritt, die eine sofortige Behandlung erforderlich macht. In allen anderen Fällen sind Sie verpflichtet, Ihre Arzttermine nach Möglichkeit auf die arbeitsfreie Zeit zu legen bzw. bei einer Gleitzeitregelung außerhalb der Kernarbeitszeit.

Behördengänge und Gerichtstermine

Für Behördengänge muss Ihr Arbeitgeber Sie in der Regel nicht freistellen. Ist hingegen Ihr Erscheinen vor Gericht im öffentlichen Interesse angeordnet worden, z. B. als Zeuge oder auch als Schöffe, muss Ihr Arbeitgeber Sie bezahlt freistellen. Ferner hat er Sie für Ihre unverzügliche Meldung hinsichtlich Ihrer Arbeitslosigkeit bei der Bundesagentur für Arbeit ebenfalls von der Arbeit freizustellen, vgl. -> Arbeitslosengeld.

Erkrankung naher Familienangehöriger

Erkranken nahe Familienangehörige von Ihnen plötzlich, können Sie in der Regel für maximal 5 Arbeitstage Freistellung verlangen. Sie müssen Ihrem Arbeitgeber jedoch eine Bescheinigung des Arztes vorlegen, aus der sich ergibt, dass die Pflege des Angehörigen unerlässlich ist.

Werden Ihre Kinder, die unter 12 Jahre alt sind, krank, so haben Sie Anspruch auf Freistellung für jedes Kind in jedem Kalenderjahr für 10 Arbeitstage. Alleinerziehende Arbeitnehmer können dafür 20 Arbeitstage beanspruchen. Haben Sie mehrere Kinder, müssen können Sie maximal 25 Arbeitstage, bei Alleinerziehenden 50 Arbeitstage, beanspruchen; vgl. -> Freistellung.

 

Muss Ihr Arbeitgeber Ihren Lohn fortzahlen?

Ja. Ihr Arbeitgeber kann jedoch durch eine entsprechende Vereinbarung im Arbeitsvertrag die Fortzahlung des Lohns bei der Gewährung von Sonderurlaub vollständig ausschließen, wenn im -> Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung nichts Abweichendes geregelt ist.

Siehe auch:
Freistellung
Arbeitslosengeld
Vergütungsfortzahlung
Tarifvertrag